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BGH unter der Lupe: Rückforderung von Verlusten bei nicht lizenzierten Online-Casinos steht auf dem Prüfstand

Geschrieben von Eden Friedrich · 12.10.2026

BGH unter der Lupe: Rückforderung von Verlusten bei nicht lizenzierten Online-Casinos steht auf dem Prüfstand

Bundesgerichtshof Gebäude in Karlsruhe während einer Verhandlung zu Glücksspielrecht

Der Bundesgerichtshof befasst sich derzeit mit der Frage, ob Spieler Geld zurückfordern können, das sie bei illegalen Online-Casinos verloren haben, und der Fall dreht sich um einen Kläger, der rund 10.000 Euro von Tipico Games verlangt, die zwischen Dezember 2020 und September 2022 verspielt wurden, während die Vorinstanzen wie das Landgericht Heilbronn und das Oberlandesgericht Stuttgart die Verträge wegen fehlender deutscher Lizenz für nichtig erklärt hatten.

Tipico hat Berufung eingelegt und beruft sich dabei auf die Vereinbarkeit mit EU-Recht sowie auf Vertrauensschutz, der aus der maltesischen Lizenz und der Zusammenarbeit mit Behörden resultiere, während das Gericht in Karlsruhe nun prüft, ob solche Ansprüche auf Rückerstattung Bestand haben.

Hintergründe des laufenden Verfahrens

Das Verfahren hat seinen Ursprung in einer Klage, bei der der Spieler argumentiert, die eingegangenen Glücksspielverträge seien wegen Verstoßes gegen das bis Juli 2021 geltende totale Verbot von Online-Glücksspielen in Deutschland unwirksam gewesen, sodass die gezahlten Beträge zurückerstattet werden müssten, und die unteren Instanzen haben diese Sichtweise bestätigt, indem sie die Verträge als nichtig einstuften.

Tipico hingegen hält dagegen, dass die maltesische Lizenz sowie die Einhaltung behördlicher Vorgaben einen Schutzmechanismus bieten, der EU-rechtliche Grundsätze wie die Dienstleistungsfreiheit berücksichtige, und das Unternehmen verweist darauf, dass eine rückwirkende Anwendung strenger deutscher Regeln zu Unsicherheiten führen könnte.

Rechtliche Rahmenbedingungen und frühere Entscheidungen

Beobachter verfolgen den Prozess genau, weil er klären soll, wie sich nationale Lizenzanforderungen mit europäischen Vorgaben vertragen, während das bis Mitte 2021 bestehende Verbot von Online-Casinos in Deutschland als zentrales Element in der Argumentation der Vorgerichte diente, und nun muss der BGH abwägen, ob diese Nullität auch auf der höchsten Ebene Bestand hat.

Die Entscheidung könnte Auswirkungen auf ähnliche Fälle haben, in denen Spieler Verluste geltend machen, und Experten verweisen auf vergleichbare Entwicklungen in anderen EU-Staaten, wo Gerichte bereits über die Gültigkeit von Verträgen ohne lokale Zulassung entschieden haben, etwa in Berichten der Europäischen Kommission zu grenzüberschreitenden Dienstleistungen.

Richterbank im deutschen Gerichtssaal bei einer Verhandlung zu Glücksspielverträgen

Im Oktober 2026 steht eine weitere Anhörung an, bei der zusätzliche Argumente zu EU-Kompatibilität und Vertrauensschutz vorgebracht werden sollen, und damit rückt der Fall in eine Phase, die über den Einzelfall hinaus Signalwirkung für die Branche entfalten kann.

Mögliche Konsequenzen für Betreiber und Spieler

Betreiber wie Tipico müssen sich auf eine verschärfte Prüfung ihrer Geschäftsmodelle einstellen, falls der BGH die Nullität der Verträge bestätigt, während Spieler in vergleichbaren Situationen neue Handlungsoptionen erhalten könnten, und die Argumentation des Unternehmens stützt sich dabei auf die Annahme, dass eine maltesische Lizenz ausreiche, um Vertrauen in die Legalität zu schaffen.

Das Oberlandesgericht Stuttgart hatte bereits in einer früheren Instanz die Rückforderung ermöglicht, indem es den Verstoß gegen Lizenzpflichten als entscheidend ansah, und nun liegt es am Bundesgerichtshof, diese Linie zu festigen oder zu korrigieren, wobei die Verknüpfung mit EU-Recht eine zentrale Rolle spielt.

Ausblick auf die Entscheidung

Die Verhandlung in Karlsruhe wird voraussichtlich mehrere Aspekte beleuchten, darunter die Frage, ob nationale Verbote mit europäischen Freiheiten kollidieren, und die Beteiligten rechnen mit einer grundsätzlichen Klärung, die für künftige Streitigkeiten maßgeblich sein könnte, während die genauen Termine für Oktober 2026 bereits feststehen.

Ein Urteil zugunsten des Klägers könnte zu einer Welle weiterer Forderungen führen, wohingegen eine Bestätigung der Position von Tipico die Bedeutung ausländischer Lizenzen stärken würde, und Beobachter warten gespannt auf die Stellungnahmen der Richter zu diesen Punkten.

Conclusion

Der Fall vor dem Bundesgerichtshof verdeutlicht die Spannungen zwischen nationalem Glücksspielrecht und europäischen Vorgaben, und die Entscheidung wird zeigen, ob Spieler Verluste bei nicht lizenzierten Anbietern zurückfordern können, während Tipico weiter auf Vertrauensschutz pocht und die Vorinstanzen bereits klare Linien gezogen haben.